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Die Geschichte des Bingo: Woher kommt das Spiel und wer hat es erfunden?

Bingo hat keinen einzelnen Erfinder: Seine Wurzeln liegen im italienischen Lotto, das um 1530 bereits gespielt wurde, und in Ablegern wie der neapolitanischen Tombola und dem französischen „Le Lotto“. Den Namen „Bingo“ und die heute bekannte Form verdankt das Spiel vor allem dem New Yorker Spielwarenhändler Edwin S. Lowe, der es ab 1929 in den USA verbreitete.

Aktualisiert am 23. Oktober 2026

Woher kommt Bingo? Die Kurzfassung

Wer nach der Herkunft von Bingo fragt, landet nicht bei einer Person, sondern bei einer Familie von Spielen. Allen gemeinsam ist ein einfaches Prinzip: Zahlen werden zufällig gezogen, und wer auf seiner Karte zuerst eine bestimmte Kombination beisammen hat, gewinnt. Dieses Prinzip ist über rund 400 Jahre von Italien nach Frankreich, Deutschland, Großbritannien und schließlich in die USA gewandert – und hat dabei immer wieder neue Namen, Kartenformate und Einsatzzwecke bekommen.

  • Ursprung: Italien, Lotto-Spiele im 16. Jahrhundert
  • Wichtige Zwischenstationen: Tombola in Neapel, „Le Lotto“ in Frankreich, Lernspiele im Deutschland des 19. Jahrhunderts
  • Heutige Form und Name: USA ab den 1920er-Jahren, populär gemacht von Edwin S. Lowe
  • Zwei große Varianten: 75er-Bingo (USA, Karte 5×5) und 90er-Bingo (Großbritannien, Schein mit 3×9 Feldern)

Zeitstrahl: Die wichtigsten Stationen der Bingo-Geschichte

ZeitOrtWas passierte
um 1530ItalienLotto wird bereits gespielt – der früheste belegte Vorfahre des Bingo.
ab 1734 (vermutlich)NeapelDie Tombola entsteht als Familienspiel, wohl als Reaktion auf eine Besteuerung des Lottos.
1778Frankreich„Le Lotto“ nutzt Karten mit 27 Feldern in 3 Reihen und 9 Spalten.
19. JahrhundertDeutschlandÄhnliche Spiele dienen als Lernspiel für Rechtschreibung, Einmaleins und Geschichte.
frühe 1920erPittsburgh, USAHugh J. Ward vereinheitlicht das Spiel auf Jahrmärkten und lässt es urheberrechtlich schützen.
Dezember 1929bei Atlanta, USAEdwin S. Lowe lernt auf einem Jahrmarkt das Spiel „Beano“ kennen.
1930erUSAWährend der Weltwirtschaftskrise nutzen katholische Gemeinden Bingo zur Spendensammlung.
1933USAHugh J. Ward veröffentlicht ein Regelbuch.
1961GroßbritannienEin neues Glücksspielgesetz ermöglicht größere Geldpreise, Bingohallen boomen.
1993Kalifornien, USABei Silicon Graphics entsteht der Begriff „Buzzword Bingo“.

Italien: Lotto und Tombola als Vorfahren

Die Spur führt zurück ins Italien der Renaissance. Schon um 1530 war dort ein Lotto in Gebrauch, bei dem zufällig gezogene Zahlen über Gewinn und Verlust entschieden. Aus heutiger Sicht war das eher eine Lotterie als ein Gesellschaftsspiel – aber der Grundgedanke, Zahlen aus einem Vorrat zu ziehen und mit einer Auswahl abzugleichen, ist bereits vorhanden.

Spannender für Bingo-Fans ist die Tombola aus Neapel. Sie soll um 1734 entstanden sein, nachdem der König das öffentliche Lotto besteuert hatte – die Menschen verlegten das Zahlenziehen kurzerhand in die eigenen vier Wände. Bis heute gehört die Tombola in vielen italienischen Familien zu Weihnachten und Silvester dazu: Eine Person zieht die Zahlen, alle anderen markieren sie auf ihren Karten – im Prinzip also schon das, was wir heute als Bingoabend kennen. Wer welche Variante der Tombola heute spielt, erklären wir im Ratgeber zu Bingo-Varianten.

Wichtig für das Verständnis: Im deutschen Sprachraum meint „Tombola“ meist eine Verlosung von Sachpreisen auf einem Fest. Die neapolitanische Tombola ist dagegen ein echtes Kartenspiel mit Zahlen und damit ein direkter Verwandter des Bingo.

Frankreich und Deutschland: Vom Salonspiel zum Lernspiel

Im Frankreich des späten 18. Jahrhunderts tauchte das Spiel als „Le Lotto“ auf. Für 1778 sind Spielkarten mit 27 Feldern belegt, angeordnet in drei Reihen zu je neun Spalten. Genau dieses Raster findet sich bis heute auf dem britischen 90er-Bingoschein wieder – es ist also mehr als 240 Jahre alt.

In Deutschland ging das Spiel im 19. Jahrhundert einen eigenen Weg: Hier wurde eine verwandte Form genutzt, um Kindern Rechtschreibung, das Einmaleins und historisches Wissen beizubringen. Statt nur Zahlen standen Wörter, Rechenaufgaben oder Jahreszahlen im Mittelpunkt. Damit ist Bingo als Unterrichtsmethode keine Erfindung moderner Pädagogik, sondern hat eine lange Tradition – wie du das heute im Klassenzimmer einsetzt, zeigt unser Ratgeber Bingo im Unterricht.

Wer hat Bingo erfunden? Hugh J. Ward und Edwin S. Lowe

Auf die Frage „Wer hat Bingo erfunden?“ gibt es keine eindeutige Antwort, aber zwei Namen, die in der amerikanischen Geschichte des Spiels immer wieder auftauchen.

Hugh J. Ward: der Organisator der Jahrmärkte

In den frühen 1920er-Jahren brachte Hugh J. Ward das Spiel auf Jahrmärkten rund um Pittsburgh in eine einheitliche Form, ließ es urheberrechtlich schützen und veröffentlichte 1933 ein Regelbuch. Er sorgte also dafür, dass überall nach denselben Regeln gespielt wurde – eine wichtige Voraussetzung für die spätere Verbreitung.

Edwin S. Lowe: der Mann hinter dem Namen

Der eigentliche Durchbruch kam durch Edwin S. Lowe, einen Spielwarenhändler aus New York. Im Dezember 1929 beobachtete er auf einem Jahrmarkt in der Nähe von Atlanta (Georgia) ein Spiel namens „Beano“. Die Teilnehmenden deckten gezogene Zahlen auf ihren Karten mit Bohnen ab – daher der Name. Lowe erkannte das Potenzial, brachte das Spiel nach New York und vermarktete es dort als „Bingo“.

Um zu verhindern, dass bei großen Runden ständig mehrere Leute gleichzeitig gewinnen, bot Lowe Kartensätze mit mehr als 6.000 unterschiedlichen Zahlenkombinationen an. Später erwarb er 1956 die Rechte an dem Würfelspiel Yahtzee, verkaufte sein Unternehmen 1973 an Milton Bradley und starb 1986. Lowe hat Bingo also nicht erfunden, aber er hat es zu dem Massenphänomen gemacht, das wir heute kennen.

Warum heißt Bingo eigentlich Bingo?

Der Überlieferung nach soll jemand in einer von Lowes Spielrunden vor lauter Aufregung „Bingo!“ statt „Beano!“ gerufen haben, als sie ihre Reihe vollständig hatte. Lowe gefiel das Wort so gut, dass er es übernahm. Diese Geschichte wird gern erzählt, ist aber nur in wenigen Quellen dokumentiert und lässt sich nicht sicher belegen – wie so viele Gründungsanekdoten.

Unabhängig davon, ob sie stimmt: Der Ausruf „Bingo!“ hat sich längst verselbstständigt. Im Deutschen sagt man ihn auch dann, wenn man im Alltag den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Im Spiel selbst ist er das vereinbarte Signal, dass jemand ein Gewinnmuster erreicht hat – was danach passiert, steht in unseren Bingo-Regeln.

Bingo als Spendenaktion und Volkssport

In den 1930er-Jahren, mitten in der Weltwirtschaftskrise, entdeckten katholische Kirchengemeinden in den USA Bingo als Möglichkeit, Geld für ihre Arbeit zu sammeln. Die Abende waren günstig zu veranstalten, brachten Menschen zusammen und füllten die Kassen. Das Bild vom Bingoabend im Gemeindesaal stammt aus dieser Zeit.

In Großbritannien nannte man das Spiel lange „Housey-Housey“. Richtig groß wurde es dort, als am 1. Januar 1961 ein neues Glücksspielgesetz in Kraft trat, das höhere Geldgewinne erlaubte. Unternehmen wie Mecca bauten daraufhin ihre Tanzsäle zu Bingohallen um. Gespielt wird in Großbritannien bis heute mit Scheinen aus 27 Feldern (9 Spalten, 3 Reihen), die oft als Streifen zu sechs Stück verkauft werden.

Amerikanisches BingoBritisches Bingo
Zahlenbereich1–751–90
Karte5×5, Mitte meist frei3 Reihen × 9 Spalten, 15 Zahlen
Typischer GewinnReihe, Spalte, Diagonale oder Mustereine Reihe, zwei Reihen, volles Haus

Spiel das klassische amerikanische Bingo selbst: Unsere Vorlage enthält die Zahlen 1–75, jede Person bekommt automatisch eine eigene Karte.

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Woher kommt Bullshit-Bingo bzw. Buzzword-Bingo?

Die jüngste Etappe der Bingo-Geschichte spielt im Büro. Anfang 1993 prägten Tom Davis und Seth Katz bei Silicon Graphics in Mountain View (Kalifornien) den Begriff „Buzzword Bingo“: Statt Zahlen stehen Modewörter auf der Karte, und abgehakt wird, was in Präsentationen oder Besprechungen fällt. Noch im selben Jahr baute Chris Pirazzi eine erste Version im Web.

Bekannt wurde die Idee vor allem durch einen Dilbert-Comic vom 22. Februar 1994. 1996 verteilten Studierende des MIT Buzzword-Bingo-Karten, als Al Gore dort die Abschlussrede hielt; 1998 widmete das Wall Street Journal dem Phänomen eine Titelgeschichte, und 2007 griff sogar IBM es in einem Fernsehspot auf. Im deutschsprachigen Raum hat sich dafür der Name Bullshit-Bingo eingebürgert.

Damit schließt sich ein Kreis: Wie im Deutschland des 19. Jahrhunderts stehen wieder Wörter statt Zahlen auf der Karte. Wie das Spiel mit Begriffen funktioniert und welche weiteren Spielarten es gibt, liest du in unserem Überblick zu Bingo-Varianten.

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Bingo heute: vom Gemeindesaal aufs Smartphone

Heute ist Bingo so vielseitig wie nie: als Zahlenspiel im Seniorentreff, als Kennenlernspiel in der Schule, als Hochzeitsspiel oder als Running Gag im Videocall. Geblieben ist das Grundprinzip, verändert hat sich das Werkzeug. Wo Lowe noch Tausende Kartenkombinationen drucken lassen musste, erzeugt ein Bingo-Generator heute für jede Person automatisch eine eigene Zufallskarte – ganz ohne Bohnen.

Wenn du Lust bekommen hast, die lange Tradition fortzusetzen, findest du in unseren Bingo-Vorlagen fertige Begriffslisten für viele Anlässe – vom Weihnachts-Bingo im Stil der italienischen Tombola bis zum klassischen Zahlenspiel.

Häufige Fragen

Wer hat Bingo erfunden?

Bingo hat keinen einzelnen Erfinder. Es geht auf italienische Lotto-Spiele aus dem 16. Jahrhundert zurück. In den USA vereinheitlichte Hugh J. Ward das Spiel in den 1920er-Jahren, und Edwin S. Lowe machte es ab 1929 unter dem Namen „Bingo“ landesweit bekannt.

Wie alt ist Bingo?

Die Vorläufer sind fast 500 Jahre alt: Lotto wurde in Italien schon um 1530 gespielt. Die heutige Form mit 5×5-Karten und dem Namen Bingo gibt es seit etwa 1929.

Woher kommt der Name Bingo?

Das Spiel hieß auf amerikanischen Jahrmärkten zunächst „Beano“, weil die Zahlen mit Bohnen abgedeckt wurden. Der Überlieferung nach rief ein Spieler bei Edwin S. Lowe versehentlich „Bingo!“, und Lowe übernahm den Namen. Belegt ist diese Anekdote allerdings nur schwach.

Was ist der Unterschied zwischen Bingo und Tombola?

Die neapolitanische Tombola ist ein Vorläufer des Bingo: ein Zahlenspiel mit Karten, das in Italien traditionell an Weihnachten und Silvester gespielt wird. Im Deutschen bezeichnet „Tombola“ dagegen meist eine Verlosung von Sachpreisen bei Festen, also kein Kartenspiel.

Warum gibt es 75er- und 90er-Bingo?

Die beiden Varianten haben sich getrennt entwickelt. Das britische 90er-Bingo nutzt das Raster aus 3 Reihen und 9 Spalten, das schon beim französischen „Le Lotto“ von 1778 belegt ist. Das amerikanische 75er-Bingo mit der 5×5-Karte setzte sich in den USA durch.

Seit wann gibt es Bullshit-Bingo?

Der Begriff „Buzzword Bingo“ entstand Anfang 1993 bei der Firma Silicon Graphics in Kalifornien. Bekannt wurde er durch einen Dilbert-Comic von 1994. Im Deutschen heißt das Spiel meist Bullshit-Bingo.

Wurde Bingo früher auch zum Lernen genutzt?

Ja. Im Deutschland des 19. Jahrhunderts wurde eine verwandte Spielform eingesetzt, um Kindern Rechtschreibung, das Einmaleins und Geschichte beizubringen. Lehrkräfte nutzen Bingo bis heute gern als Unterrichtsmethode.

Quellen

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